Brotkrümmelpfad

Volltext-Suche

Einstellungen

Sprachauswahl:

  • Verständliche Sprache
  • Leichte Sprache
  • DGS

Schriftgröße einstellen:

  • Schrift vergrößern
  • Schrift verkleinern
  • Schriftgröße zurücksetzen

IMH Dienste

EGSB-Projekt

Erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen im Beruf

Welche Faktoren tragen wesentlich dazu bei, dass gehörlose und schwerhörige Menschen beruflich erfolgreich sind?

zum EGSB-Projekt

Inhaltsbereich

Einsatz kommunikativer Hilfen in den WfbM

Die imh-Werksätten-Befragung hat auch nach der kommunikativen Unterstützung für die Beschäftiten gefragt: Haben die WfbM, die hörbehinderte Menschen aufnehmen, in ausreichendem Umfang geeignete kommunikativen Hilfen ?
Ergebnis: Viele dieser Werkstätten verfügen nicht über ausreichende kommunikative Hilfen.

Welche kommunikativen Hilfen werden eingesetzt?

Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die 130 Werkstätten der imh-Positiv-Stichprobe, die bereit sind, Menschen mit Hörbehinderung zu beschäftigen (imh-Befragung von WfbM).

Gebärdensprache
  • DGS: 22 WfbM: (16,9%)
  • LBG: 28 WfbM (21,5%)
  • Gebärdensprache - unbekannt oder Mischformen: 49 WfbM (37,7%)
  • Vereinfachte Gebärdensprache: 50 WfbM (38,5%)
  • Unterstützte Kommunikation (verwendet nur teilweise gebärdensprachliche Elemente): 57 WfbM (43,8%)
  • Total Communication (verwendet nur teilweise gebärdensprachliche Elemente): 2 WfbM (1,5%)
Gebärdensprachdolmetschen
  • Gebärdensprachdolmetschen: 21 WfbM (16,1%)
  • Bildtelefon-Vermittlungsdienste (Relay-Dienste wie z.B. TeSS, telesign): 2 WfbM (1,5%)
  • Gebärden-Videos: 9 WfbM (6,9%)

Mehr dazu: Einsatz von Gebärdensprachdolmetschen in WfbM

Telekommunikativ-technische Hilfen
  • Bildtelefon: 1 WfbM (0,8%)
  • Schreibtelefon: 1 WfbM (0,8%)
  • SMS: 23 WfbM (17,7%)
  • Fax: 51 WfbM (39,2%)
  • E-Mail/Internet : 38 WfbM (29,2%)
Audiotechnische Hilfen
  • FM-Anlage, Microportanlage: 2 WfbM (1,5%)
  • Induktionsschleife: 2 WfbM (1,5%)
Optische und vibratorische Hilfen
  • Beamer: 44 WfbM (33,8%)
  • Smart-Bord (interaktive Weißtafel): 8 WfbM (6,2%)
  • Lichtklingel und andere optische Signale: 30 WfbM (23,1%)
  • Vibratorische Signale: 6 WfbM (4,6%)
  • Schattenfreie Ausleuchtung des Arbeitsplatzes: 21 WfbM (16,1%)
Spezielle Hilfen für taubblinde Menschen
  • Taktile Gebärden für hörsehbehinderte/taubblinde Menschen: 11 WfbM (8,5%)
  • Lormen: 5 WfbM (3,8%)
  • Braille-Schreibmaschine: 8 WfbM (6,2%)
  • Computerhilfen für hörsehbehinderte/taubblinde Menschen (Braille-Computer/-Drucker): 8 WfbM (6,2%)
Sonstiges
  • Sonstiges : 21 WfbM (16,1%)
  • Als Anmerkung wurde zum Punkt „Sonstiges“ aufgezählt: 4 x Talker, 1 elektronische Kommunikationshilfe, 1 Schwanenhalskamera in Verbindung mit Smartboard, 1 Fernsehlesegerät, 1 optischer Feueralarm-Melder, 1 Wandtafel, 2 Buchstabentafel, 1 spezielle EDV Ausstattung, z.B. Bildschirme für sehbeeinträchtigte Personen, 1 x Anweisungen und Informationen mittels Foto und Piktogramm, 1 x Bildsprache, 5 x Anpassung an den individuellen Bedarf, 1 x Hörgeschädigtenpädagogin im Hause.
Keine oder keine Angabe
  • 7 Werkstätten haben "Keine der genannten Hilfen" angekreuzt (= 6,2%).
    Von diesen 7 Werkstätten nehmen dennoch einige hörbehinderte Menschen auf:
    - 3 Werkstätten nehmen auch gehörlose Menschen auf.
    - 2 Werkstätten nehmen auch taubblinde Menschen auf.
    - 4 Werkstätten nehmen nur schwerhörige Menschen auf.
  • Keine Angaben: 18 WfbM (13,8%): Diejenigen Werkstätten, die diese Frage nicht ausgefüllt haben, haben vermutlich auch keine kommunikativen Hilfen und haben das Feld deshalb leer gelassen.

Zusammenfassung

Viele Werkstätten verfügen nicht über ausreichende kommunikative Hilfen. Dies gilt auch dann, wenn sie bereit sind, Menschen mit Hörbehinderung zu beschäftigten.

  1. Im Bereich telekommunikative und audiotechnische Hilfen sind stark schwerhörige Menschen in der Regel auf ihre eigenen Hörgeräte angewiesen, gehörlose Menschen auf ihre Handys (SMS).
    • Nur je 2 Werkstätten stellen FM-Anlagen oder Induktionsschleifen für ein optimales räumliches Hörergebnis zur Verfügung und
    • nur je eine Werkstatt hat ein Schreib- oder Bildtelefon.
  2. Im Bereich Gebärdensprachdolmetschen werden die Vorzüge der Bildtelefon-Vermittlungsdienste (Dolmetschen per Telesign und Tess) so gut wie nicht genutzt.
  3. Im Bereich optische und vibratorische Hilfen sind Lichtklingeln, vibratorische Signale und sogar die schattenfreie Ausleuchtung des Arbeitsplatzes keineswegs selbstverständlich.
  4. Im Bereich Gebärdensprachen werden am häufigsten Typen verwendet, die von Hörenden erfunden wurden:
    • Vereinfachte Gebärden (44,6%) stellen keinen gleichwertigen Ersatz für Sprache/Gebärdensprache dar. Werden sie ausschließlich verwendet, wird für kognitiv beeinträchtigte Menschen die sprachliche und geistige Entwicklung erschwert, Informationen werden reduziert auf ein Minimum. Anders als hörende Beschäftigte können gehörlose Beschäftigte nicht von der Alltagssprache der Umgebung profitieren und sind daher auf die reduzierte Information angewiesen.
    • Unterstützte Kommunikation (50,9%) beansprucht nicht, eine Gebärdensprache zu sein, enthält jedoch auch Elemente vereinfachter Gebärdensprache.
    • Diese beiden Kommunikationsformen werden am häufigsten verwendet - meistens gerade von Werkstätten, die DGS oder LBG nicht als weitere Option ankreuzen.
  5. Dass es Werkstätten gibt, die laut Selbstbekunden überhaupt keine kommunikativen Hilfen verwenden, aber sogar gehörlose und taubblinde Menschen aufnehmen wollen, ist unter Umständen eine Folge davon, dass diese Werkstätten im Bereich Hörbehinderung noch keine Erfahrung haben.

Schlussfolgerung

Barrierefreiheit für gehörlose, schwerhörige und taubblinde Menschen ist in Werkstätten für behinderte Menschen bisher nur in einzelnen Werkstätten gewährleistet. Inklusion hörbehinderter Menschen ist trotz UN-Konvention bisher nicht einmal in Werkstätten für behinderte Menschen selbstverständlich und ohne Weiteres machbar.

Was kann man tun?
  • Anschaffung von FM-Anlagen für schwerhörige Menschen, vor allem bei Gesprächen mit vielen Beteilligten
  • Gebärdensprachkurse für Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen von WfbM
  • Arbeitskollegenseminare mit Gebärdensprachkurs für hörbehinderte Beschäftigte in WfbM
  • Verstärkter Einsatz von Gebärdensprachdolmetschen oder Hilfsmitteln wie Telesign oder Tess
  • Optimierung des Einsatzes telekommunikativer Hilfen
  • Überregionale Modelle unterstützter Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (z.B. Beschäftigung von Kommunikationsgruppen in Firmen - mit Arbeitskollegenseminaren zur Förderung von DGS-Kommunikation

Leserbewertung: sehr hilfreich (Anzahl der Bewertungen:1)

Wie bewerten Sie diesen Beitrag?