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Die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderungen haben ein Recht darauf, nach der Schule eine berufliche Ausbildung zu machen und zu arbeiten. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die Autoren Pfahl und Powell interviewten erfolgreiche Sonderschulabgänger. Die ehemaligen Schüler berichten von ihren Erwartungen und Problemen bei ihrer Ausbildung und dem Schritt auf den Arbeitsmarkt.

Eingeschränkte Teilhabe am Arbeitsmarkt

Die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderungen stark eingeschränkt. Dabei gibt es verschiedene Maßnahmen, um Barrieren zu überwinden:

Mit so genannten "Quotierungsregelungen" sollen Menschen mit Behinderungen mehr Chancen bekommen. NAch diesen Regelungen müssen Arbeitgeber eine bestimmte Anzahl von Menschen mit Behinderungen einstellen oder sie müssen Ausgleichszahlungen leisten. Meistens zahlen die Arbeitgeber lieber und stellen keine Menschen mit Behinderungen ein.

Auswirkungen einer Ausbildung in Sondereinrichtungen

Menschen mit Behinderungen werden meist in Berufsbildungswerken, Werkstätten und beruflichen Rehabilitationseinrichtungen ausgebildet. In den meisten Fällen finden sie danach keine Anstellung oder werden nur geringfügig beschäftigt, obwohl sie sich eine feste Einstellung wünschen. Der Grund ist unter anderem, weil sie in Sondereinrichtungen ausgebildet wurden. So bekommen sie keinen Zugang zum allgemeinen Ausbildungssystem und zum Arbeitsmarkt.

Es gibt immer mehr Versuche, behinderte Schüler mit nicht-behinderten Schülern gemeinsam zu unterrichten und auszubilden. Die behinderten Schüler sollen gleiche Chancen bekommen. Viele Fachleute meinen jedoch, dass diese Schüler in Sonderschulen besser gefördert werden können.

Im Jahr 2008 besuchten 82 Prozent der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Sonderschule. Diese Rate ist eine der höchsten in Europa. Doch Drei Viertel Sonderschulabgänger erwerben keinen qualifizierten Schulabschluss. Das gegliederte Schulsystem hindert Menschen mit Behinderung daran, durch einen Schul- oder Ausbildungsabschluss an der Gesellschaft teilzuhaben.

(Ähnliche Zahlen sind in einer Untersuchung von 2006 belegt.)

Die Arbeitsmarktsituation aus Sicht junger Erwachsener

- Wie gehen junge Erwachsene mit ihrer Benachteiligung um?
- Wie schätzen sie ihre Stellung auf dem Arbeitsmarkt ein?

Diese Fragen wurden Schülerinnen und Schülern mit einem Hauptschulabschluss an einer Schule für Lernbehinderte im Interview gestellt. Viele von ihnen machten ein Berufsvorbereitungsjahr. Hier können die Teilnehmer verschiedene Berufsbereiche auszuprobieren. Meist werden die Jugendlichen von einer Maßnahme an die nächste vermittelt. Selten werden sie dabei beruflich gut ausgebildet.

Ein Beispiel:
Jenny aus D. (Name geändert) ist 21 Jahre alt und wurde im Grundschulalter aus ihrer Grundschule in eine Lernbehindertenschule geschickt. Diese hat sie 11 Jahre lang besucht. Danach hat sie eine Teilausbildung als Säuglingspflegerin an einem Berufsförderzentrum absolviert, den eine ehemallige Lehrerin vermittelt hatte. Doch nach der Ausbildung findet sie keine Anstellung. Sie lebt von Arbeitslosengeld 2 und macht Hilfstätigkeiten. Eigentlich wäre sie gerne Erzieherin geworden, doch dazu hätte sich eine Vollausbildung gebraucht.

Es passiert oft, dass ehemalige Schüler einer Sonderschule ihre eigentlichen beruflichen Ziele aufgeben und ihre Vorstellungen der Situation auf dem Arbeitsmarkt anpassen. Dies führt oft dazu, dass viele von ihnen als Langzeitarbeitslose bereit sind, fast jede Arbeit anzunehmen. Sie wollen nicht mehr bei den Eltern wohnen und selbstständig leben.

Auch Jenny möchte gern von Zuhause ausziehen und unabhängig von ihrer psychisch kranken Mutter leben. Doch weil ihr manche Schulzeugnisse fehlen, kann sie das nicht. Obwohl Jennys Motivation sehr groß ist, in ihrem Beruf zu arbeiten, kann sie sich nicht als Säuglingspflegerin integrieren. Sie denkt, dass das an ihr liegt, weil sie nicht gut genug ist. Sie denkt nicht, dass ihre Teilausbildung zu schlecht war.

Ehemalige Schüler von Sonderschulen haben oft nur geringe Erwartungen an sich selbst, um sich vor beruflichen Enttäuschungen zu schützen.

Zusammenfassung
  • Mit einer Ausbildung in besonderen Einrichtungen bekommen junge Menschen mit einer Behinderung keine gleichwertigen Schulabschlüsse.
  • Sie schaffen es oft nicht, normale Berufs- und Bildungswege zu gehen.
    Der Weg zum Beruf mit einer berufliche Ausbildung wird für sie sehr schwer.
  • Sie erleben oft dauerhaft soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung.
  • Menschen mit Behinderung sind deshalb häufiger arbeitslos und haben ein höheres Armutsrisiko.
  • Deshalb bleiben sie oft abhängig von anderen Menschen und sind in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt.
Quelle:

Pfahl, L.& Powell, J. (2010): Draußen vor der Tür: Die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament", 23, 32-38.

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