Brotkrümmelpfad

Sie sind hier:

Volltext-Suche

Südwestfalenaward
Bester Webauftritt
1. Platz "Non-Profit"

Einstellungen

Sprachauswahl:

  • Verständliche Sprache
  • Leichte Sprache
  • DGS

Schriftgröße einstellen:

  • Schrift vergrößern
  • Schrift verkleinern
  • Schriftgröße zurücksetzen

IMH Dienste

EGSB-Projekt

Sind Sie beruflich erfolgreich?

Das EGSB-Projekt sucht „erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen im Beruf“.

zum EGSB-Projekt

Inhaltsbereich

Wieviel Inklusion verträgt der (gehörlose/schwerhörige) Mensch?

In dem Artikel geht es um den Begriff der Inklusion und um die Voraussetzungen, damit hörgeschädigte Menschen vollständig am Leben in der Gesellschaft teilhaben können.

Integration oder Inklusion?

Ein Auseinanderhalten der Begriffe "Integration" und "Inklusion" ist nicht einfach. Es gibt unterschiedliche Vorstellungen und Meinungen zu diesen Begriffen. In der deutschen Übersetzung der Behindertenrechtskonvention ist noch das Wort "Integration" vorhanden, obwohl es dort um "Inklusion" geht. Studien zeigen, dass Integration und Inklusion je nach Behinderung, Person, Land und Regierung anders verstanden und umgesetzt werden.

Je nach Behinderungsart muss geschaut werden, wie gleichberechtiger Zugang zur Gesellschaft möglich ist. Bei jeder Person muss eine individuelle Entscheidung getroffen werden, da jeder Mensch unterschiedliche Bedüfnisse hat.

Gerade für hörgeschädigte Menschen können falsche oder zu wenig durchdachte Entscheidungen im Rahmen der Inklusion schnell zur Isolation führen, wenn zum Beispiel nicht an die Kommunikationsprobleme gedacht wird, die hörgeschädigte Menschen mit ihrer Umwelt haben. Um die Teilhabe hörgeschädigter Menschen zu fördern, ist Wissen über diese Behinderung, sowie Offenheit gegenüber der Gehörlosenkultur sehr wichtig.

Inklusion aus entwicklungs- und sozialpsychologischer Sicht

Doch was muss genau bei der Inklusion von hörgeschädigten Menschen bedacht werden? Was muss bereit gestellt werden, damit sich Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit einer Hörschädigung optimal in der Gesellschaft entfalten können?

Drei grundsätzliche Aspekte sind hier zunächst wichtig:

  • Möglichst früher Zugang zu Sprache und zu Personen, die diese Sprache benutzen
  • Entwicklung von Vertrauen in die eigenen Kräfte
  • Schaffen einer Umgebung, die es dem hörgeschädigten Menschen ermöglicht, sich optimal zu entwickeln

Wenn Inklusion gelingen soll, muss dann noch auf weitere Bereiche geschaut werden:

Je nach Alter und Lebensbereich hat der einzelne Mensch unterschiedliche Grundbedürfnisse, die es zu beachten gilt. Neben den allgemein bekannten Grundbedürfnissen des Menschen (zum Beispiel Atmen, Trinken, Essen, Schlafen...) haben Entwicklungspsychologen weitere Grundbedürnisse herausgefunden:

  • Bedüfnis nach Bindung
  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Lustgewinn oder Unlustvermeidung
  • Bedürfnis nach Schutz und Verbesserung des Selbstwertes

Beispiele: Ein hörgeschädigtes Baby, das die ersten Monate fast ausschließlich im Kreise seiner Familie lebt, hat vor allem das Bedürfnis nach Bindung. Ein hörgeschädigter Jugendlicher hingegen, der vielleicht gerade dabei ist, Freundschaften mit Mitschülern aufzubauen und zu pflegen, hat eher das Bedüfnis, anerkannt zu werden (Selbstwert).

Wenn Inklusion gelingen soll, muss immer wieder geschaut werden, was der individuelle Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt, in einem bestimmten Alter, in seinem Lebensraum braucht und wie man seinen Bedürfnissen gerecht werden kann.

Es reicht also nicht aus, Gesetze zu befolgen und hörgeschädigte Menschen mit Hörenden zusammenzubringen. Damit Menschen mit Behinderung vollständig an der Gesellschaft teilhaben können, müssen vorher viele Aspekte bedacht werden.

Quelle:

Hintermair, M./ Lukomski, J. (2010): Wie viel Inklusion verträgt der (gehörlose/ schwerhörige) Mensch? Eine entwicklungs- und sozialpsychologische Skizze. In: Das Zeichen, Heft 84, S. 88-97.

Leserbewertung: hilfreich (Anzahl der Bewertungen:8)

Wie bewerten Sie diesen Beitrag?

noch keine Kommentare

Kommentieren Sie den Inhalt des obigen Texts, stellen Sie Fragen oder antworten Sie auf Fragen anderer.

Wichtig: Felder mit einem *-Stern müssen ausgefüllt werden.