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Inklusion - Deutschland im EU-Vergleich

Hier eine Zusammenfassung von wissenschaftlichen Ergebnissen zum Thema: Inklusion im internationalen Vergleich.

Referiert aus einer Veröffentlichung von: Dieter Katzenbach und Joachim Schroeder.
Titel: "Ohne Angst verschieden sein können" Über Inklusion und ihre Machbarkeit.
Teile der Publikation werden hier in verständlich gemachter Wissenschaftssprache zusammengefaßt.

Deutschland hat ein stark selektives Schulsystem. Das ist in der öffentlichen Debatte nach PISA eine allgemeine Einsicht geworden. Es wird die passende Schule für das jeweilige Kind gesucht, und nicht die Schule für das Kind passend gemacht.

Daraus ergeben sich folgenreiche Entscheidungen für die Betroffenen. Grundlage ist die Unterstellung scheinbar objektiver und relativ unveränderlicher Persönlichkeitsmerkmale. Neben dem Alter sind dies im Wesentlichen Begabung und Behinderung.

Der Anteil sonderpädagogischer Förderung in Deutschland beträgt etwa fünfeinhalb Prozent aller deutschen Schüler, Schülerinnen. Die folgende Abbildung zeigt im internationalen Vergleich, wie hoch in den Ländern der EU der Anteil der Schüler und Schülerinnen mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf ist (grüne Säule bzw. Deutschland rot hervorgehoben). Das Verhältnis zum Anteil der Beschulung in Sondereinrichtungen sieht man an der blauen Säule:

Anteil der Schüler mit festgestelltem Förderbedarf im EU-Vergleich (hier liegt Deutschland in der Mitte), aber beim Anteil der Schüler, Schülerinnen in Sondereinrichtungen ist Deutschland Drittletzter

Anteil der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf - davon Anteil in Sondereinrichtungen (blaue Säule) (Quelle: Abbildung 2 von Katzenbach/Schroeder nach EADSNE 2003)

Im Bild hat Deutschland zwar einen Mittelplatz, das ist allerdings anders, wenn man den Ort der sonderpädagogischen Förderung (blaue Säule) berücksichtigt: In skandinavischen Ländern findet die Förderung in der Regelschule statt und nur in kleinem Umfang in speziellen Sondereinrichtungen. Vergleicht man den Anteil der sonderpädagogischen Förderung in Sonder- und Förderschulen, so befindet sich Deutschland auf einem Spitzenplatz. Dies ist der folgenden Grafik zu entnehmen. Sie zeigt die EU-Länder im Vergleich: Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sondereinrichtungen

SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sondereinrichtungen - Deutschland ist Drittletzter

SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sondereinrichtungen (Quelle: Abbildung 3 von Katzenbach/Schroeder nach EADSNE 2003)

Deutschland entwickelt sich trotz der zaghaften Versuche in Richtung "Gemeinsamer Unterricht" gegen den internationalen Trend und gegen politische Willenserklärungen weiter in Richtung separierender Maßnahmen. Die Entwicklung zeigt einen stetigen Anstieg des Anteils von Schülern, Schülerinnen, die Förderschulen besuchen von 1995 bis 2003 (Quelle: Abbildung 4 bei Katzenbach/Schroeder).

Im Ergebnis bewirkt dies eine massive Benachteiligung von Kindern aus Armutslagen. Das hat zum Beispiel der UNO-Menschenrechtsbeauftragte Muñoz nachdrücklich kritisiert. Im Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialem Status nimmt Deutschland einen traurigen Spitzenplatz ein (vgl. PISA-Konsortium 2001, S.323ff.; Baumert et al. 2006).
(Anmerkung der Redaktion: Dies wurde im Juni 2010 nochmals bestätigt, drei Jahre nach der Veröffentlichung von Katzenbach/Schröder).

Die EU stellte fest: Es gibt "Forschungsergebnisse, die es nahe legen, dass in einigen Fällen eine zu frühe Differenzierung von Schülern in getrennte Schulen verschiedener Art auf der Grundlage von Begabung negative Auswirkungen auf die Leistungen benachteiligter Schüler haben" (EU zit. nach Demmer 2007, S. 28).
Diese Formulierung war früher noch eindeutiger, bevor Deutschland dagegen interveniert:
"Ferner deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass es negative Auswirkungen auf die Leistungen benachteiligter Schüler haben kann, wenn die Schüler zu frühem Alter je nach ihren Fähigkeiten auf gesonderte Schulen unterschiedlicher Art verteilt werden" (EU zit. nach Demmer 2007, S. 28).
Die auf Selektion ausgerichtete Schulstruktur führt zu einer deutlichen Benachteiligung von Kindern aus Armutslagen, mit Migrationshintergrund und mit Behinderungen, so das Fazit des Menschenrechtsbeauftragten.

Der Blick zum PISA-Sieger Finnland zeigt eine völlig andere Struktur unterrichtsbegleitender Hilfen. Dort erhalten 21% aller Schüler in ihrer Schulzeit sonderpädagogische Förderung, in Deutschland sind es 5,6%. Die Förderung findet in Finnland überwiegend in der Regelschule statt und konzentriert sich auf die ersten Schuljahre, in Deutschland verhält es sich genau umgekehrt.

Quelle:

Dieter Katzenbach, Joachim Schroeder: "Ohne Angst verschieden sein können" Über Inklusion und ihre Machbarkeit - erschienen in: Zeitschrift für Inklusion-online 01/2007,
ISSN 1862-5088, bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet, Stand: 15.10.2008 http://bidok.uibk.ac.at/library/inkl-01-07-katzenbach-angst.html
Sämtliche angegebenen Quellen können unter diesem Link gefunden werden.

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