Brotkrümmelpfad

Volltext-Suche

Einstellungen

Sprachauswahl:

  • Verständliche Sprache
  • Leichte Sprache
  • DGS

Schriftgröße einstellen:

  • Schrift vergrößern
  • Schrift verkleinern
  • Schriftgröße zurücksetzen

IMH Dienste

EGSB-Projekt

Sind Sie beruflich erfolgreich?

Das EGSB-Projekt sucht „erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen im Beruf“.

zum EGSB-Projekt

Inhaltsbereich

Die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention für Gehörlose

Dieser Artikel basiert auf einem wichtigen Vortrag, gehalten am 30.10.2009 auf der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Gebärdensprache und Kommunikation Gehörlose e.V. (GGKG) in Leipzig. Der Artikel hat den Titel:
"Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihre Bedeutung für Gehörlose".

Der Artikel fasst sowohl grundsätzliche Informationen, als auch spezielle Aspekte der UN- Behindertenrechtskonvention zusammen. Die Bedeutung der Konvention für hörgeschädigte Menschen und für die Gebärdensprache werden thematisiert.

Allgemeine Informationen

Die Behindertenrechtskonvention ist eine klassische Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) und somit ein völkerrechtlicher Vertrag. Die Staaten, die eine Menschenrechtskonvention unterschreiben, verpflichten sich, die Menschenrechte im eigenen Staat und untereinander anzuerkennen.

Die UN- Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen trat am 26. März 2009 in Kraft. Bund und Länder haben sich somit verpflichtet:

  • die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen
  • Benachteiligungen dieser Menschen zu verhindern und
  • geeignete Maßnahmen zur Realisierung zu treffen.

Zum ersten Mal werden in einem internationalen völkerrechtlichen Vertrag speziell die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen thematisiert und Erfordernisse für die Behindertenpolitik formuliert. Dies ist u. a. darin begründet, dass Behinderung heute nicht mehr als Defizit angesehen wird, sondern dass Behinderung

  • normaler Bestandteil menschlichen Lebens und der Gesellschaft ist
  • ein von der Gesellschaft gemachtes Phänomen ist und
  • eine mögliche kulturelle Bereicherung ist (z. B. die Gebärdensprachkultur)

Es kann also von einem Paradigmenwechsel gesprochen werden: Bei Menschen mit Behinderungen geht es nicht mehr um soziale Fürsorge und Rehabilitation, sondern um gleichberechtigte selbstbestimmte Teilhabe.

Bereits in den 80er Jahren wurden Verbände der Menschen mit Behinderungen aktiv und forderten, von der Gesellschaft als gleichberechtigte Subjekte anerkannt zu werden. Im Jahre 1994 wurde der Satz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" in das Grundgesetz aufgenommen. In den darauffolgenden Jahren entstanden dann neue Gesetze für Menschen mit Behinderung:

  • 2001: Sozialgesetzbuch IX (Förderung der Selbstbestimmung, Vermeidung von Benachteiligungen)
  • 2002: Bundesgleichstellungsgesetz und Landesgleichstellungsgesetz (gleichwertige Lebensbedingungen, Chancengleichheit)
  • 2006: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Die UN- Konvention ist einem Bundesgesetz gleichgestellt. Bund und Länder sind aufgefordert, Teilhabe und Barrierefreiheit weiterzuentwickeln. Von der Bundesregierung soll nun ein Aktionsplan erstellt werden, der den Leitideen der UN- Konvention nachkommt. Bei jeder Maßnahme, die ergriffen wird, muss geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf das Leben von Menschen mit Behinderungen hat. Es ist außerdem festgelegt, dass Menschen mit Behinderungen und ihre Organisationen in den gesamten Prozess der Umstrukturierung mit einzubeziehen sind.

Regelungen für Menschen mit einer Hörschädigung

Welche genauen Regelungen ergeben sich nun für Menschen mit einer Hörschädigung?
Welche Aussagen werden zur Gebärdensprache getroffen?

  • Inklusion: Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Bereichen nennt man "Inklusion". Besonders wichtig ist hierbei, dass Menschen mit Behinderung in ihrer Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gestärkt werden. Damit Inklusion umgesetzt werden kann, muss die Gesellschaft sich in ihren Haltungen, Denkweisen und Handlungen ändern. Dieser Prozess wird sich nur in kleinen Schritten vollziehen.
  • Gebärdensprache (Artikel 2): In Artikel 2 der UN- Behindertenrechtskonvention wird die Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt.
  • Barrierefreiheit (Artikel 9): Weiterhin ist die Barrierefreiheit von zentraler Bedeutung. Menschen mit Behinderung sollen Zugang zur Umwelt, zu Transportmitteln, zu Information und Kommunikation haben. Speziell für Menschen mit einer Hörschädigung bedeutet dies beispielsweise, dass Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung stehen, die bei Behördengängen, Arztbesuchen etc. helfen, Barrieren in der Kommunikation zu überwinden.
  • Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen (Artikel 21): Menschen mit Behinderung haben Recht auf freie Meinungsäußerung, auf Meinungsfreiheit und auf Zugang zu Informationen. Für Menschen mit einer Hörschädigung bedeutet dies, dass bei Behördengängen die Gebärdensprache angewendet werden kann. Informationen in Internet und Fernsehen sollen durch Dolmetschereinblendungen und Untertitelungen zugänglich gemacht werden.
  • Bildung (Artikel 24): Dieser Artikel fordert von den Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem in allen Bereichen. Dies bedeutet, dass sowohl im Elementarbereich, als auch in der Hochschulbildung und in der Erwachsenenbildung inklusive Bildung möglich sein muss. Hörgeschädigte Menschen haben Recht darauf, dass die Gebärdensprache bei der Vermittlung von Bildung angewendet wird.
  • Teilhabe an Kultur, Freizeit und Sport (Artikel 30): Fernsehprogramme sollen barrierefrei sein. Sowohl die Gebärdensprache, als auch die Gehörlosenkultur werden unterstützt und anerkannt.

Ausblick: Was ist zu tun?

Aus der UN- Konvention ergeben sich keine individuellen Ansprüche für Menschen mit Behinderung. Die Forderungen richten sich an den Staat und somit an Politik und Verwaltung. Die Staaten sind verpflichtet, im Rahmen der verfügbaren Mittel den Forderungen der Un- Konvention nachzukommen. In diesem Prozess sind die betroffenen Menschen und ihre Verbände und Organisationen aktiv mit einzubeziehen. Der Bereich wird somit auch für die Fachverbände der hörgeschädigten Menschen in Zukunft von zentraler Bedeutung sein.

Quelle

Ulrich Hase und Udo Schomacher (2010): Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihre Bedeutung für Gehörlose. In: DAS ZEICHEN 84.10 S.48ff

Leserbewertung: sehr hilfreich (Anzahl der Bewertungen:9)

Wie bewerten Sie diesen Beitrag?

1 Kommentar

  • 1) UN-Konvention

    Autor(in): Exner Alexander

    „Sehr Wichtig für UN Konvention erleichtern!!”

Kommentieren Sie den Inhalt des obigen Texts, stellen Sie Fragen oder antworten Sie auf Fragen anderer.

Wichtig: Felder mit einem *-Stern müssen ausgefüllt werden.