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Was ist normal?

Die Diskussion "Was ist normal? - Was ist behindert?" füllt viele Bücher mit wissenschaftlicher Literatur. Es gibt viele Behinderungen, die als normal angesehen werden. Zum Beispiel:

  • wenn Menschen eine Brille tragen.
  • wenn Menschen immer zuerst an das Geld und die Kosten denken.
  • wenn Menschen immer zuerst an sich selbst denken und nicht bereit sind, anderen zu helfen.
  • wenn Menschen schlechte Nahrung essen, weil sie zu wenig Zeit oder zu wenig Geld haben.
  • wenn man bestimmte Dinge immer ignoriert, weil sie einen sonst traurig und zornig machen würden (zum Beispiel wenn man ignoriert, dass jeden Tag viele Menschen durch Kriege, Gewalt und Umweltgifte sterben, dann gilt man als gesund. Erst wenn man dagegen protestiert oder demonstriert kann es passieren, dass man nicht mehr als normal gilt.
  • Die meisten Menschen können die Radio- und Fernsehwellen oder die radioaktive Strahlung in der Luft nicht bewußt wahrnehmen. Könnten sie das, dann würden sie sofort verrückt. Die fehlende Wahrnehmung gilt daher als normal.
  • Durch das Gehör kann man viele Dinge wahrnehmen: Geräusche, Sprache, Musik. In den Städten gibt es viel zu viele Geräusche von Autos, Flugzeugen, Zügen und anderen Maschinen. Viele Menschen haben damit Probleme. Die fehlende Wahrnehmung gilt nicht als normal.

Oft wird als normal angesehen, wie die Mehrheit ist. Der Zustand der Mehrheit wird zur Norm erklärt. Die Wertung als Normabweichung ist jedoch inhaltlich-qualitativ durch nichts gerechtfertigt. Die Normal-Behinderung ist anerkannt. Die Normalbehinderten können sich besser fühlen und haben ein besseres Selbstbewußtsein als die Minderheit. Dadurch werden die anderen krank.

Andererseits werden von der Medizin so viele Verhaltensweisen und Körperzustände als Krankheit definiert, dass aus ihrer Sicht die Mehrheit der Bevölkerung oder sogar fast jeder immer wieder krank und behandlungsbedürftigt ist. Demnach ist nicht die Mehrheit die Norm, sondern es ist eine Frage der Definition. Die Definition ist dann - je nach Lehrmeinung - ein Machtfaktor. Dieser Machtfaktor ist zugleich ein Wirtschaftsfaktor: Die moderne Medizin führt zur "Medikalisierung der Gesellschaft" (Illich).

Schlußfolgerungen: 1. Der Begriff "normal" ist kein objektives Kriterium und wissenschaftlich nicht haltbar. 2. Behinderungen gibt es für alle und jeden mehr als genug.

Literatur zum Thema

Illich, Ivan: Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Lebens. 5. Aufl. 2007, Beck. Beck'sche Reihe Bd.1104
Cloerkes, Günther: Soziologie der Behinderten Eine Einführung. Universitätsverlag Winter, Edition Schindele. 3., neubearb. u. erw. Aufl. 2007.

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