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Film Verkannte Menschen

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Bei dem Film "Verkannte Menschen" handelt es sich um einen verschollenen Dokumentationsfilm aus dem Jahre 1932. Gefilmt wurde die Lebens- und Arbeitswelt tauber Menschen in den 30er Jahren. Die Nazis haben den Film 1934 verboten, alle vorhandenen Filmrollen sollten vernichtet werden. Der Landesverband der Gehörlosen Hessen e.V. hat es geschafft, die Filmrolle vor der Vernichtung zu bewahren.

Am 16.1.2010 führte der Gehörlosenbund in Frankfurt eine Veranstaltung durch, die ausverkauft war und hoffentlich wiederholt wird: Film Verkannte Menschen in Frankfurt.Info-Plakat

Erläuterung zum Dokumentarfilm "Verkannte Menschen" von Jochen Muhs

Fünf Jahre nach der Gründung des „Reichsverbandes der Gehörlosen Deutschlands e.V." (Regede) begann unter Leitung des Vorsitzenden Wilhelm Ballier 1932 mit der Universum-Film AG aus Babelsberg, die Herstellung des Dokumentarfilmes "Verkannte Menschen". Es ist daneben ein Aufklärungsfilm über die gehörlosen Menschen. Der taube Graphiker Ballier schrieb das Drehbuch in drei Akten:

1. Teil Taubheit und Bildung (Lehrer Maeße) 2. Teil Im Beruf 3. Teil In der Gesellschaft

Unter der schweren Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik und unter den Vorzeichen des Nationalsozialismus wurde der Stummfilm unter Regie von Alfred Kell in Berlin und bei Dresden gedreht: 50 % der Gehörlosen in Deutschland sind arbeitslos. Ohne staatliche Förderung kostet der Dreh dem Regede 20.800 RM. Man will den Vorurteilen über die Taubstummen wehren.

Anfangs zeigt der Streifen den armen Taubstummen, der verspottet wurde und am Ende idealisiert der damals bekannten Schwimmer Gerhard Hintze den Optimismus. Die stummen Kinder waren sprech- und lernfähig. Die Gehörlosen können Familie gründen und waren in vielen Bereichen begabte Handwerker und Künstler. Sie wehrten sich gegen die Eugenikgedanken einiger Ärzte und Nazis mit ihrer geplanten Sterilisierungspolitik „Lex Zwickau“.

In der Israelitischen Taubstummenanstalt Weißensee und in der Königlichen Taubstummenanstalt wurde der Film in Berlin aufgenommen. Die Gehörlosen dürfen nicht wie in den USA im Automobilwerk Ford an der Maschine arbeiten. Der Streifen zeigen, dass der taubstumme Schneidermeister auf der Berliner Straße Motorradfahren und andere in der Sächsischen Schweiz in der Bastei Bergsteigen können. Die Taubstummen nahmen an der politischen Versammlung am Reichstag teil und wurden gedolmetscht. Der schwarzweiße Film dokumentiert das ländliche und metropolitischen Leben in Berlin und der Mark Brandenburg. Die Aufführung des 45minütigen Filmes war am 21. September im Filmtheater „Kamera“ in Berlin, Unter den Linden. Der Direktor Lehmann der Taubstummenanstalt sprach das Grußwort. Er warnte vor den entstehenden hohen Kosten, die die Diskriminierung des Blödsinnigen, Geisteskranken und deren Verschluss und die Sterilisierung zur Verhütung lebensunwerten Lebens mit sich bringen würden. Gehörlose, Künstler, Heinrich Siepmann und hörende Lehrer schrieben zahlreiche Beiträge in das vom Graphiker Ballier entworfene und mit zahlreichen Abbildungen gefertigte Programm.

Die Berliner Presse schrieb eine positive Kritik. Der Film war wohl geeignet, der Idee zu dienen aus „verkannten Menschen“ „erkannte“ Menschen zu machen.

Der Film, der taube und hörende Menschen darstellt, zeigt dagegen die unheilvolle Zukunft nicht. Zahlreiche Juden und jüdische Schüler, wie der bekannten Zahntechniker Paul Kroner und Physiker Wladislaw Zeitlin wurden von den Nazis ermordet. Nach der Machtergreifung 1933 wurden jedoch zahlreiche erbkranke Gehörlosen zwangssterilisiert. Der Direktor Felix Reich, der im Film Skat spielt, flüchtete 1939 während eines Kindertransport mit zehn jüdischen Kindern nach London. Dann brach der 2. Weltkrieg aus.

Leserbewertung: sehr hilfreich (Anzahl der Bewertungen:3)

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1 Kommentar

  • 1) Kein Titel

    Autor(in): Michael Köditz

    „Kann man den Film irgendwo bekommen? Ich habe ihn leider nirgendwo gefunden. Bin für Tipps dankbar!”

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