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Definition Taubblindheit / Hörsehbehinderung

Der folgende Text ist ein Artikel des Gemeinsamen Fachausschusses "Hörsehbehinderung / Taubblindheit" des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (GFTB).

Das Europäische Parlalment gibt zu den Rechten von Hör- und Sehbehinderten (Taubblinden) folgende schriftliche Erklärung ab:

"Das Europäische Parlament
  • gestützt auf Artikel 51 seiner Geschäftsordnung,
  • unter Hinweis auf Artikel 13 des Vertrags über die Europäische Union und den Grundsatz der Menschenwürde,
  • a) in der Erwägung, dass Taubblindheit eine ausgeprägte Behinderung in Form einer Kombination von Seh- und Hörbehinderungen ist, was zu Schwierigkeiten beim Zugang zur Information, Kommunikation und Mobilität führt,
  • b) in der Erwägung, dass es in der Europäischen Union ca. 150.000 Hör- und Sehbehinderte gibt,
  • c) in der Erwägung, dass einige dieser Menschen völlig taubblind sind, die meisten von ihnen jedoch noch über eingeschränkte Fähigkeiten zum Gebrauch eines oder beider Sinne verfügen,
  • d) in der Erwägung, dass Hör- und Sehbehinderte auf Grund der Ausgeprägtheit ihrer Behinderung spezielle Unterstützung durch Menschen mit Fachkenntnissen benötigen,
  • 1. fordert die Organe der EU sowie die Mitgliedstaaten auf, die Rechte der Hör- und Sehbehinderten anzuerkennen und ihnen Geltung zu verschaffen;
  • 2. erklärt, dass Hör- und Sehbehinderte dieselben Rechte wie alle EU-Bürger haben sollten und diesen Rechten durch entsprechende Gesetze in jedem Mitgliedstaat Geltung verschafft werden sollte, die folgendes beinhalten sollten:
  • das Recht auf Teilnahme am demokratischen Leben der Europäischen Union,
  • das Recht auf Arbeit und Zugang zur Ausbildung mit entsprechenden Beleuchtungs-, Kontrast- und Anpassungsmöglichkeiten,
  • das Recht auf eine Gesundheits- und Sozialbetreuung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht,
  • das Recht auf lebenslanges Lernen,
  • gegebenenfalls Eins-zu-Eins-Unterstützung in Form von Kommunikator-Begleitperson, Dolmetscher und/oder Betreuer für Hör- und Sehbehinderte“

(Zitatende)

Welche Menschen sind hörsehbehindert oder taubblind?

  • 1) Hörsehbehindert sind Menschen, bei denen gleichzeitig
    • a) die optische Wahrnehmung dadurch eingeschränkt ist, dass
      • kein Sehvermögen besteht oder
      • das vorhandene Sehvermögen so gering ist, dass es nur durch den Einsatz geeigneter Sehhilfen zu einer im Sinne der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbaren optischen Wahrnehmung gesteigert werden kann, und gleichzeitig
    • b) die akustische Wahrnehmung dadurch eingeschränkt ist, dass
      • kein Hörvermögen besteht oder
      • das vorhandene Hörvermögen so gering ist, dass es nur durch den Einsatz geeigneter Hörhilfen zu einer im Sinne der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbaren akustischen Wahrnehmung gesteigert werden kann, und
    • c) der Schweregrad der Beeinträchtigung zur Folge hat, dass ein natürlicher wechselseitiger, im Sinne einer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbarer Ausgleich durch die verbliebenen jeweiligen Sinnesreste nicht stattfindet, sondern mit Hilfe Dritter entwickelt werden muss
  • 2) Taubblind sind Menschen, bei denen gleichzeitig
    • a) die optische Wahrnehmung dadurch eingeschränkt ist, dass
      • kein Sehvermögen besteht oder
      • das vorhandene Sehvermögen so gering ist, dass es auch durch den Einsatz geeigneter Sehhilfen zu einer im Sinne der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbaren optischen Wahrnehmung nicht gesteigert werden kann, und gleichzeitig
    • b) die akustische Wahrnehmung dadurch eingeschränkt ist, dass
      • kein Hörvermögen besteht oder
      • das vorhandene Hörvermögen so gering ist, dass es auch durch den Einsatz geeigneter Hörhilfen zu einer im Sinne der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbaren akustischen Wahrnehmungen nicht gesteigert werden kann, und
    • c) ein natürlicher wechselseitiger, für eine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verwertbarer Ausgleich durch Sinnesreste nicht stattfindet und auch nicht entwickelt werden kann."

Hannover, 7. Dezember 2005

Verabschiedet durch den GFTB (Gemeinsamer Fachausschuss "Hörsehbehinderung / Taubblindheit" des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.)

Organisationen im GFTB

  • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.
  • Arbeitsgemeinschaft der Einrichtungen für hörsehbehinderte und taubblinde Menschen e. V.
  • Deutscher Kulturverein der gehörlosen Sehbehinderten und Taubblinden e. V.
  • Deutscher Gehörlosenbund e. V.
  • Taubblindendienst e. V.
  • Pro Retina Deutschland e. V.
  • Deutsches Katholisches Blindenwerk e. V.
  • Verband der Katholischen Gehörlosen Deutschlands e. V.

Anerkennung der Taubblindheit als Behinderung eigener Art

Das Europäische Parlament hat in seiner Erklärung vom 12. April 2004 Taubblindheit als Behinderung eigener Art anerkannt. Es heißt dort unter anderem:

Das Europäische Parlament

  1. 1. fordert die Organe der EU sowie die Mitgliedstaaten auf, die Rechte der Hör- und Sehbehinderten anzuerkennen und ihnen Geltung zu verschaffen;
  2. 2. erklärt, dass Hör- und Sehbehinderte dieselben Rechte wie alle EU-Bürger haben sollten und diesen Rechten durch entsprechende Gesetze in jedem Mitgliedstaat Geltung verschafft werden sollte, die folgendes beinhalten sollten:
    • das Recht auf Teilnahme am demokratischen Leben der Europäischen Union,
    • das Recht auf Arbeit und Zugang zur Ausbildung mit entsprechenden Beleuchtungs-, Kontrast- und Anpassungsmöglichkeiten,
    • das Recht auf eine Gesundheits- und Sozialbetreuung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht,
    • das Recht auf lebenslanges Lernen,
    • gegebenenfalls Eins-zu-Eins-Unterstützung in Form von Kommunikator-Begleitperson, Dolmetscher und/oder Betreuer für Hör- und Sehbehinderte

Forderung des spanischen Parlaments

Das spanische Parlament hat dies auf nationaler Ebene bereits nachvollzogen durch seinen Beschluss vom 5. April 2005, „dass Taubblindheit im Sinne einer besonderen Behinderung zu erkennen ist“, und der „Berücksichtigung der o.g. spezifischen Behinderung im Kontext aller geltenden Verfügungen innerhalb der spanischen Rechtsordnung.“

Wir erwarten auch von der Politik in Deutschland, dass sie Taubblindheit als eine besondere Behinderung anerkennt und damit den Betroffenen signalisiert, dass sie ihre Situation wahrnimmt und bereit ist, sich für deren Besserung zu engagieren. Dies kann durch ein besonderes Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis geschehen.

Taubblinde Menschen haben in fast allen Lebensbereichen einen Assistenz-, Hilfsmittel- und Förderbedarf, der sich von dem blinder und gehörloser Menschen wesentlich unterscheidet. Im System der Sozialleistungen ist dieser besondere Bedarf bisher kaum verankert. Ein besonderes Merkzeichen könnte es den Betroffenen erleichtern, die Besonderheit ihrer Behinderung nachzuweisen. Es könnte der Nachweis dieser Behinderung sein, die in den Verfahren der Gewährung von Hilfen von allen Beteiligten identifiziert und begriffen werden muss.

Den Betroffenen könnte es mit dem Merkzeichen erleichtert werden, einen spezifischen Bedarf gegenüber blinden oder gehörlosen Menschen geltend zu machen, zum Beispiel bei der Gewährung spezifischer Dolmetschleistungen, der Hilfsmittelversorgung oder der Finanzierung ambulanter beziehungsweise stationärer Betreuung.

Nach Schätzungen des GFTB handelt es sich bundesweit um 2500 bis 6000 Personen.

Beschlossen vom GFTB am 12. November 2007

Resolution
Angenommen von der 6. EBU Taubblinden Konferenz

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