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Das EGSB-Projekt sucht „erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen im Beruf“.

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Kaufmännische Berufsschule

Junge hör- oder sprachgeschädigte Menschen können in der Sonderberufsfachschule am "Hör-Sprachzentrum Heidelberg/Neckargemünd" die Fachschulreife erwerben.

Berufliche Bildung für hörgeschädigte Jugendliche früher

Bis ungefähr 1967 gab es in Deutschland keine Möglichkeiten zum Besuch einer weiterführenden Schule für hörgeschädigte junge Menschen. Sobald sie den Hauptschulabschluss geschafft hatten, lernten sie einen Beruf. Ein höherer Schulabschluss, wie zum Beispiel die Fachschulreife oder das Abitur, war in der Regel für Jugendliche mit Hörschädigung nicht möglich.

Nur handwerkliche Berufe

Junge hörgeschädigte Menschen lernten meistens handwerkliche Berufe. Deshalb dachten viele Verantwortliche, dass eine handwerkliche Berufsausbildung ausreicht. Sie dachten, dass es genügt, wenn die hörgeschädigten Menschen die Arbeitsschritte gezeigt bekommen. Niemand dachte daran, dass sie eine Berufsschule besuchen könnten.

Erst als sich nach den 60er Jahren die Berufe und der Arbeitsmarkt änderten, gab es nach und nach eine bessere Bildung.

Eine bessere Bildung für Menschen mit Hörschädigung

1967 entstand an der "Staatlichen Gehörlosenschule Heidelberg" (heute "Hör-Sprachzentrum Heidelberg/Neckargemünd") die Idee einer besseren Bildung für gehörlose und schwerhörige Schulabgänger. Die jungen Menschen sollten mehr lernen und bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Diese weiterführende Bildung sollte an einer Berufsschule stattfinden.

Diskussionen um eine höhere Bildung

Es gab sehr viele Diskussionen darüber, ob diese Schule nötig ist. Außerdem gab es auch unterschiedliche Meinungen darüber, was bei dieser Weiterbildung gelernt werden sollte. Viele meinten, dass eine lautsprach-orientierte allgemeine Weiterbildung sehr wichtig ist. Andere Leute hielten die kaufmännische Grundausbildung für schwerhörige und gehörlose Menschen für zu schwierig. Sie dachten, dass vor allem die Fachsprache, Englisch und der Kontakt mit Kunden zu schwierig sei.

Viele schwerhörige und gehörlose Menschen wollten aber besser in die Gesellschaft integriert werden. Sie selbst, ihre Lehrer und Eltern kämpften dafür. Nach und nach gab es nach der Pflichtschule Weiterbildungsangebote. Dazu zählen zum Beispiel die Berufsbildungswerke (BBW). Dort konnten die Schüler eine klassische Berufsausbildung machen. Trotzdem wurde beim Unterricht auf ihre Probleme beim Hören und Sprechen Rücksicht genommen.

Auch das Oberschulamt in Karlsruhe erlaubte die Weiterbildung. Im Oktober 1967 konnten 12 gehörlose und schwerhörige Schüler und Schülerinnen die Schule besuchen. Sie lernten nach dem Lehrplan für die "kaufmännische Berufsfachschule - Wirtschaftsschule" für hörende Schüler. Die Schule dauerte 2 Jahre. Danach konnten die Schüler eine Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich machen.

Ziele der Sonderberufsfachschule:
  • Die Schüler sollen grundlegendes Wissen über die Wirtschaft erhalten. Sie sollen verstehen, wie die Wirtschaft funktioniert.
  • Die Kommunikation der Schüler soll gefördert werden. Sie sollen auch lernen, mit neuen Medien wie dem Computer umzugehen. Sie sollen lernen, wozu man den Computer im Beruf einsetzen kann.
  • Da die Schüler sehr vieles lernen und viel kommunizieren, entwickelt sich auch ihre Persönlichkeit weiter. Es ist wichtig, dass sie zufrieden mit sich sind. Denn wenn ein Mensch davon überzeugt ist, dass er viel weiß und gute Arbeit leisten kann, findet er leichter einen Arbeitsplatz.
Wie kann man diese Ziele erreichen?

Diese Ziele können mit der Übungsfirma erreicht werden. Die Übungsfirma ist eine Firma, die nicht wirklich etwas herstellt oder verkaufen will. Sie ist nur ausgedacht und funktioniert wie ein Spiel. Die Schüler müssen in diesem Spiel alle Aufgaben machen, die man auch in einer richtigen Firma machen müsste. Dabei können die Schüler vieles ausprobieren und lernen. Sie können in einer Firma arbeiten und sehen, welche Folgen eine Entscheidung hat. Sie lernen also nicht nur aus dem Buch, sondern können in der Arbeit Erfahrung sammeln. Da die Firma eine Übungsfirma ist, ist es nicht so schlimm, wenn Fehler passieren.

Wer kann die Sonderberufsfachschule besuchen?
  • Motivierte Jugendliche, die für die Ausbildung geeignet sind
  • Gehörlose, schwerhörige, spätertaubte und sprachbehinderte Jugendliche
  • Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Jugendliche, die einen Hauptschulabschluss (mit einem bestimmten Notendurchschnitt) haben. Hier gibt es manchmal auch Ausnahmen.

Wenn man die Sonderberufsfachschule für Hör- und Sprachgeschädigte in Heidelberg/Neckargemünd besuchen will, muss man diese 4 Bedingungen erfüllen. Die Schüler sollen sich persönlich vorstellen und können ein paar Tage im Internat übernachten und im Unterricht zuschauen. So kann jeder selbst entscheiden, ob die Schule seinen Erwartungen entspricht. Auch die Lehrer lernen die neuen Schüler so schon vor dem Schulbeginn kennen. Sie können dann die Sprache von jedem Schüler, seine Motivation und sein Verhalten besser einschätzen. Damit wird es einfacher, gute Klassen zu bilden.

Ablauf der Sonderberufsfachschule:
  • Wenn ein Schüler angenommen wurde, muss er auf der Schule zeigen, dass er gut genug ist. Das erste Schuljahr ist die "Probezeit". Wer diese besteht, darf auf der Schule bleiben.
  • Insgesamt dauert die Schule drei Jahre. Die Schüler haben pro Woche 34 Schulstunden. Dazu zählt auch die Arbeit in der Übungsfirma oder Stützunterricht.
  • Nach drei Jahren endet die Schule mit der "Fachschulreifeprüfung". Die Fachschulreife ist vergleichbar mit dem Realschulabschluss. Die Prüfung besteht aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungen.
Was kommt danach?
Die Fachschulreife ist ein Ausgangspunkt für mehrere Berufswege:
  • Berufsausbildung: Sie dauert meist 2 bis 3 ½ Jahre. Sie kann in einem normalen Betrieb oder im BBW stattfinden.
  • Kaufmännisches Berufskolleg: Es dauert 2 Jahre und kann integrativ an einem Berufskolleg stattfinden. Wenn man das Berufskolleg abschließt, ist man "staatlich geprüfter Wissenschaftsassistent" und hat die Fachhochschulreife. Damit kann man an Fachhochschulen studieren.
  • Allgemeines Gymnasium: Dort kann man die allgemeine Hochschulreife (das Abitur) ablegen. Damit kann man an allen Universitäten studieren.

Die Sonderberufsfachschule für Hör- und Sprachgeschädigte in Heidelberg/Neckargemünd möchte den Schülern viele Erfahrungen ermöglichen. Deshalb unternehmen die Schüler viele Besichtigungen, z.B. auch an der Börse oder in Firmen. Außerdem haben die Schüler die Möglichkeit, an einem Schüleraustausch mit dem Gymnasium für Hörgeschädigte in Prag in der Tschechischen Republik teilzunehmen. Die Schüler nehmen auch an vielen sportlichen Wettbewerben in Deutschland teil.

Die Sonderberufsfachschule für Hör- und Sprachgeschädigte in Heidelberg/Neckargemünd gibt es nun seit fast 40 Jahren. In dieser Zeit haben mehr als 700 hör- und sprachbehinderte Jugendliche die Schule mit Erfolg abgeschlossen.

Quelle

Gunter Erbe (2006) Kaufmännische Berufsfachschule für Jugendliche mit Hör-Sprachbehinderung In: Hörgeschädigte Kinder-Erwachsene Hörgeschädigte, 43. Jg., 2, S. 88-92.

Der Verfasser Gunter Erbe war Studiendirektor am Hör-Sprachzentrum in Heidelberg/Neckargemünd. Er unterrichtete dort in der Sonderberufsfachschule für Hörgeschädigte.

Hier können Sie eine Kurzfassung lesen.

Adresse von Herrn Gunter Erbe

  • Visitenkarte herunterladen

    Herr Gunter Erbe
    Hörgeschädigtenpädagogik - Redaktion
    Im Biergarten 38
    D- 61169 Neckargemünd

    main prefTelefon: 06223-862182
    faxFax: 06203-5531
    E-Mail:
    Website: http://www.hoergeschaedigtenpaedagogik.de/

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