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Das EGSB-Projekt sucht „erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen im Beruf“.

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Berufliche Teilhabe hörgeschädigter Menschen heute: Vision oder Illusion?

Hörgeschädigte Menschen haben in der Arbeitswelt Probleme. Das IMH-Team hat einen interessanten Aufsatz dazu in der Zeitschrift "Hörgeschädigte Kinder - erwachsene Hörgeschädigte" gelesen. Dazu hier eine Zusammenfassung.

Der Verfasser, Dr. Ulrich Hase beschreibt in diesem Text die Situation von schwerbehinderten und hörgeschädigten Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Er erklärt, welche Möglichkeiten es gibt. Er sagt auch, warum es so viele arbeitslose schwerbehinderte Menschen gibt.

Zur Kurzfassung dieses Artikels

Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen mit Hörschädigung arbeitslos sind.

Wenn man über die Situation von bestimmten Menschen spricht, ist es immer interessant zu wissen, wie viele Menschen betroffen sind. Bei dem Thema des Textes will man wissen, wie viele hörgeschädigte Menschen arbeitslos sind. Es ist aber nicht einfach, das zu erfahren. Denn die Bundesagentur für Arbeit zählt nur die arbeitslosen Menschen mit Behinderungen.

Für die Bundesagentur für Arbeit ist es nicht wichtig zu wissen, welche Behinderung jemand hat (z.B. eine Hörschädigung oder eine Körperbehinderung). Es ist nur wichtig zu wissen, wie stark jemand behindert ist (der Schweregrad der Behinderung). Weil es nur Zahlen zum Schweregrad der Behinderung gibt, spricht Ulrich Hase in seinem Text über schwerbehinderte Menschen.

Arbeitslose Menschen mit Behinderung

Ulrich Hase überlegt, wie viele schwerbehinderte Menschen in den letzten 10 Jahren arbeitslos waren. An den Zahlen kann man sehen, dass in den Jahren 1999 bis 2002 weniger behinderte Menschen arbeitslos waren als vorher und nachher. In diesen Jahren gab es besondere Projekte der Bundesregierung. Die Regierung hat Firmen Geld gegeben, damit sie mehr schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Im Jahr 2002 waren diese Projekte beendet. Seitdem werden es jedes Jahr mehr schwerbehinderte Menschen, die keine Arbeitsstelle haben.

Ältere Menschen mit Behinderung

Bei den Menschen unter 25 Jahren gibt es ungefähr gleich viele behinderte und nicht behinderte arbeitslose Menschen. Bei den Menschen über 25 Jahren gibt es aber viel mehr behinderte Menschen, die keine Arbeitsstelle haben.

Unterschiede

Es gibt aber neben dem Alter noch andere Unterschiede zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen:

  • Schwerbehinderte Menschen sind meistens längere Zeit arbeitslos. Sie brauchen also länger, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
  • Schwerbehinderte Menschen können oft die Anforderungen (Qualifikation) nicht erfüllen.
  • Bei vielen Berufen reicht das Wissen aus der Berufsschule nicht aus. Man muss ständig neue Dinge lernen. Das kann man in einer Fortbildung oder Weiterbildung tun. Aber viele behinderte Menschen können keine Fortbildung besuchen. Deshalb wissen sie oft nicht genug.
  • Die Behinderung kann die Gesundheit einschränken. Die schwerbehinderten Menschen können deshalb oft nicht so viel arbeiten wie nicht behinderte Menschen.

Behinderte Menschen machen gute Arbeit

Trotzdem gibt es viele Chefs, die gerne Menschen mit Behinderungen einstellen. Sie sagen, dass die behinderten Menschen genau so viel und so gut arbeiten können, wie Menschen ohne Behinderung. Manche Chefs meinen sogar, dass behinderte Menschen besser arbeiten und mehr Spaß bei der Arbeit haben. Sie sagen auch, dass es wichtig ist, Arbeitsplätze für behinderte Menschen zu schaffen. Denn in der Gesellschaft müssen alle zusammenhelfen. Jeder kann bestimmte Sachen besonders gut. Das, was jemand besonders gut kann, sollte er auch zeigen können.

Verbesserungen und Probleme

In den letzten Jahren hat sich vor allem für hörgeschädigte Menschen einiges geändert. Die Berufsbildungswerke(BBW) bieten eine gute Ausbildung. Für gehörlose Menschen, die einen Gebärdensprachdolmetscher brauchen, hat sich auch vieles geändert. Sie bekommen heute in vielen Fällen einen Dolmetscher bezahlt.

Missverständnisse am Arbeitsplatz

Es gibt noch viele Probleme. Gerade für gehörlose und schwerhörige Menschen ist das Gespräch mit Arbeitskollegen oft schwierig. Sie können nicht alles verstehen und die Arbeitskollegen sagen dann "Das war nicht wichtig". Oder die Arbeitskollegen wiederholen nicht alle Informationen. Das kann oft zu Missverständnissen und Streit führen. Es ist deshalb wichtig, dass die hörgeschädigten Menschen lernen solche Probleme selbst zu lösen oder sich Hilfe zu suchen. Nur dann können sie ihre Arbeit gut machen und haben Freude am Arbeiten.

Gesetze, Verordnungen und Fachdienste

Damit die hörgeschädigten Menschen besser integriert werden können, gibt es Gesetze, Verordnungen und Fachdienste, die helfen:

Der besondere Kündigungsschutz

Der besondere Kündigungsschutz ist eine Regel, an die sich alle Chefs halten müssen, wenn sie schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Die Regel sagt, dass der Chef nicht einfach kündigen darf, wenn der behinderte Mensch schon länger als 6 Monate in der Firma arbeitet. Der Chef darf nur kündigen, wenn das Integrationsamt zugestimmt hat. Wenn der Chef das Integrationsamt nicht gefragt hat, ist die Kündigung nicht gültig.

Erfahrungen mit dem Kündigungsschutz

Allerdings haben sich schon viele behinderte Menschen beschwert. Sie wollen den besonderen Kündigungsschutz nicht. Sie sagen, dass manche Chefs deshalb keine behinderten Menschen einstellen. Diese Chefs haben nämlich Angst, dass sie behinderte Menschen, die nicht gut arbeiten, nicht kündigen können. Das stimmt so nicht. Trotzdem ist es manchmal für die behinderten Menschen deshalb noch schwierig, eine Arbeitsstelle zu bekommen, weil die Chefs nicht gut genug informiert sind.

Integrationsfachdienste für Menschen mit Hörschädigung

Die Integrationsfachdienste sollen behinderte Menschen und Chefs beraten. Sie sollen Regeln erklären und Arbeitsplätze suchen. Wenn es ein Problem gibt, sollen sie helfen. In jedem Integrationsfachdienst soll mindestens eine Person arbeiten, die nur für hörgeschädigte Menschen da ist. Sie soll die Gebärdensprache und die Lautsprache beherrschen. So kann sie dafür sorgen, dass mit jeder Person die Kommunikation gelingt.

Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscher

2002 wurde die Deutsche Gebärdensprache als offizielle Sprache anerkannt. Seitdem müssen die Ämter auch die Kosten für Gebärdensprachdolmetscher übernehmen. Es werden viel mehr Dolmetscher gebraucht seit es die Anerkennung gibt.
Dadurch werden viele Chefs auch auf gebärdende Menschen aufmerksam. Sie sehen, dass es viele Möglichkeiten gibt. Außerdem gibt es auch Schriftdolmetscher. Sie helfen schwerhörigen Menschen, die nicht gebärden. Durch die Dolmetscher wird oft erst klar, wie viel ein hörgeschädigter Mensch kann und weiß, da er Wissen und Erfahrung nun auch den hörenden Menschen mitteilen kann.

Arbeitsassistenz

Die Regelung für die Arbeitsassistenz ist im einem Gesetz (§102 Abs. 4 SGB IX) festgelegt. Dort heißt es, dass z.B. hörgeschädigte Menschen einen Dolmetscher beschäftigen können. Den Lohn für den Dolmetscher (bis 1.100 EURO im Monat) können sie vom Staat (aus der Ausgleichsabgabe) bekommen.

Antrag auf Arbeitsassistenz

Dafür muss die schwerbehinderte Person einen Antrag stellen. In diesem Antrag muss sie erklären, warum sie den Dolmetscher (oder eine andere Arbeitsassistenz) braucht, wie viele Stunden der Dolmetscher für sie arbeitet und wie viel Geld sie dafür braucht. Dann kann die schwerbehinderte Person den Dolmetscher bezahlen. Ein Dolmetscher kann z.B. für Dienstbesprechungen, Kundengespräche oder Telefonate eingesetzt werden.

Verschiedene Arten von Arbeitsassistenz

Die Arbeitsassistenz wird unterschieden in eine "notwendige Arbeitsassistenz" und in eine "arbeitgeberorientierte Arbeitsassistenz". Die "notwendige Arbeitsassistenz" funktioniert so, wie es oben erklärt wurde. Bei der "arbeitgeberorientierten Arbeitsassistenz" kann der Chef eines schwerbehinderten Menschen die Arbeitsassistenz anfordern. Das ist zum Beispiel wichtig für schwerbehinderte Menschen, die sich nicht selbst um die Arbeitsassistenz kümmern können. Auch die Nutzung von Telesign oder TeSS kann als Arbeitsassistenz abgerechnet werden.

Dolmetscherdienst TeSS

TeSS heißt "Telecommunication Sign and Script" und ist ein Projekt, das von der deutschen Telekom unterstützt wird. Die Telekom arbeitet dafür mit der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen zusammen.
TeSS ist ein Dolmetscherdienst am Telefon. Der Dolmetscherdienst funktioniert wie eine Vermittlungsstelle. Wenn ein gehörloser Mensch einen hörenden Menschen anrufen will, dann kann TeSS dolmetschen. Der gehörlose Mensch ruft dafür mit seinem Bild- oder Schreibtelefon bei TeSS an. Der Dolmetscher ruft dann mit einem normalen Telefon bei dem hörenden Menschen an und übersetzt, was der gehörlose Mensch sagen möchte. Außerdem übersetzt er die Antwort des hörenden Menschen. Durch TeSS haben gehörlose und schwerhörige Menschen die Möglichkeit zu telefonieren.

Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit betreut arbeitslose Menschen. Sie hilft bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen und bietet Schulungen an, in denen die Menschen auf neue Berufe vorbereitet werden.

Finanzierungsprobleme bei der Umschulung

Die Bundesagentur für Arbeit finanziert auch die Berufsförderungswerke, die auch für hörgeschädigte Menschen eine wichtige Rolle spielen. Im Jahr 2005 bekamen die Berufsförderungswerke weniger Geld, das Berufsförderungswerk Hamburg musste deshalb fast 300 Mitarbeiter entlassen. Doch auch die Umschulungen in neue Berufe können wegen der hohen Kosten nicht immer bezahlt werden. Bis 2003 gab es deshalb zum Beispiel die Regel, dass die Umschulung nur bezahlt wird, wenn der Mensch eine Chance von über 70% hat, danach eine Arbeitsstelle zu finden.

Arbeit für alle schwerbehinderten Menschen!

Aus den beschriebenen Ideen und Projekten ergeben sich für den Autor neue Überlegungen. Er fordert dazu auf, dass man trotz der schwierigen Situation sich bemühen muss, für schwerbehinderte Menschen einen Arbeitsplatz zu finden. Hierfür schlägt er vier Leitideen vor:

  1. Berufliche Qualifikation fördern

    Lebenslanges Lernen ist auch für schwerbehinderte Menschen sehr wichtig. Deshalb muss es auch für sie Weiterbildungsmöglichkeiten geben. Hase schlägt vor, dass man dafür Weiterbildungszentren aufbaut. Jedes Zentrum soll einen anderen Schwerpunkt haben. Auch Aufstiegsmöglichkeiten und die Weiterbildung im Beruf müssen gegeben sein. Ebenso ist es wichtig, dass schwerbehinderte Menschen gut in ihre Arbeit eingelernt werden. Dabei spielen Berufsbildungswerke eine wichtige Rolle. Sie können die Ausbildung und die Einarbeitung verbinden.

  2. Soziale Kompetenz fördern

    Neben dem Wissen um die Arbeitsabläufe ist auch das Wissen über den Umgang mit (hörenden) Kollegen und über Kommunikation sehr wichtig. Deshalb fordert Hase, dass der Umgang mit der eigenen Hörschädigung und Kommunikationstechniken Teil der Ausbildung sein müssen. Außerdem muss jeder hörgeschädigte Mensch lernen, wie er einen Dolmetscher oder Dienste wie TeSS nutzen kann. Denn wenn der hörgeschädigte Mensch nicht weiß, wann und wie ein Dolmetscher helfen kann, kann er nicht von diesen Angeboten profitieren.

    Fortbildung auch für hörende Kollegen

    Auch die hörenden Kollegen sollen Fortbildungen zum Thema "Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen" besuchen. So können sie sich besser auf den hörgeschädigten Kollegen einstellen. Es entstehen weniger Probleme und Missverständnisse.

  3. Integrative Modelle auch in Berufsausbildung

    Während der Schulzeit werden immer mehr Schüler und Schülerinnen integrativ beschult. Das bedeutet, dass immer ein oder mehrere behinderte Kinder eine Klasse in einer Regelschule besuchen. Hase geht davon aus, dass die Zahl der integrierten Schüler und Schülerinnen in der Zukunft noch zunehmen wird.
    Deshalb findet der Verfasser es wichtig, dass auch im Beruf eine Integration möglich ist. Hier müssen noch neue Konzepte entwickelt werden. Denn die Berufsbildungswerke sowie andere berufliche Einrichtungen betreuen nur Menschen mit Behinderungen. Hase schlägt hier zum Beispiel eine Partnerschaft mit Ausbildungsstätten für nichtbehinderte Menschen vor.

  4. Prävention statt "nachgehender Hilfe"?

    Hörgeschädigte Menschen haben wegen der besonderen Kommunikationssituation oft Probleme am Arbeitsplatz. Es ist hier wichtig, die hörgeschädigten Menschen von Anfang an besser vorzubereiten. denn wenn erst Hilfe geholt wird, wenn der hörgeschädigten Person schon gekündigt wurde, kommt die Hilfe zu spät.

Andere Ursachen für Arbeitslosigkeit

In der aktuellen Situation in der Wirtschaft hilft auch eine gute Ausbildung nicht immer. Es gibt noch zahlreiche andere Ursachen und Probleme, die bestimmen, ob jemand eine Arbeitsstelle hat oder nicht. Es werden immer mehr Maschinen eingesetzt. Deshalb werden immer weniger Menschen für diese Arbeit gebraucht. Viele Entwicklungen werden sich erst in der Zukunft zeigen. Trotzdem sollten die Politik, die Wirtschaft und die Bildung zusammenarbeiten. Nur dann kann man jungen Menschen mit Behinderung einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen.

Quelle

Ulrich Hase (2006) Berufliche Teilhabe hörgeschädigter Menschen heute: Vision oder Illusion? In: Hörgeschädigte Kinder, 43. Jg., 2, S. 53-61.

Adresse von Herrn Dr. Ulrich Hase

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    Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten - Selbsthilfe und Fachverbände e.V.
    Hollesenstraße 14
    D- 24768 Rendsburg

    main prefTelefon: 04331-589750
    workTelefon: 04331-589722
    faxFax: 04331-589751
    pagerSchreib-Telefon: 04331-589750
    E-Mail:
    Website: http://www.deutsche-gesellschaft.de

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1 Kommentar

  • 1) Schwerbehindert fast taub

    Autor(in): Jeball

    „über meine Schwerbehinderung 80% fast Taub mit 56 Jahren ist eine Festanstellung so gut wie unmöglich. Selbst bei Ämtern und Gerichte ist es sehr sehr schwierig sich durch zu setzen. Nun ist meine Überlegung mich wieder in die Selbständigkeit trotz fast Taubheit mich zu präsentieren zu wollen auch ohne die Ämter. Man muß sich durch Ämter immer wieder dumm kommen lassen wie zum bsp."na lesen und schreiben können sie ja wohl oder ich habe Ihnen das schon drei mal gesagt und oft mit einer aggressiven Lautstärke einfach ohne Respekt.Ich habe hier von Jobcenter sowie Arbeitsämter noch nie eine große Unterstützung erhalten. Wo ist denn die sogenannte Unterstützung für Schwerbehinderte Menschen?”

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